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Coworking Spaces für Auswanderer: Wo du im Ausland am besten arbeitest

Coworking Spaces im Ausland 2026: Die besten Städte, ehrlicher Preisvergleich, steuerliche Tipps und worauf du als Auswanderer wirklich achten musst.

Du hast den Umzug gewagt, die Abmeldung ist durch, die neue Adresse steht — aber dein Arbeitsplatz besteht aus einem wackeligen Küchentisch und WLAN, das bei jedem Videocall einbricht? Dann wird es Zeit für einen Coworking Space. Nicht irgendein hipper Ort mit Pingpong-Tisch und Cold Brew, sondern ein Arbeitsplatz, der dich als Auswanderer wirklich produktiv macht.

In diesem Guide erfährst du, welche Coworking-Modelle es gibt, welche Städte weltweit die stärksten Spaces bieten, was das Ganze kostet — und welche steuerlichen Stolperfallen du kennen solltest, bevor du den ersten Monatsvertrag unterschreibst.


Warum Coworking im Ausland mehr ist als ein Schreibtisch

Wenn du im Ausland lebst und remote arbeitest, ist ein Coworking Space oft der Unterschied zwischen Isolation und echtem Ankommen. Das Homeoffice klingt in der Theorie perfekt — in der Praxis fehlen dir dort drei Dinge, die du als Auswanderer besonders brauchst:

1. Zuverlässige Infrastruktur. In vielen beliebten Auswanderer-Ländern ist das Internet in Wohnungen eine Glückssache. Coworking Spaces garantieren dir Glasfaser, Backup-Leitungen und Arbeitsplätze, an denen dein Zoom-Call nicht nach 5 Minuten einfriert.

2. Struktur im Alltag. Ohne festen Arbeitsort verschwimmen Arbeit und Freizeit — besonders in Ländern, in denen alles nach Urlaub aussieht. Ein Coworking Space gibt deinem Tag einen Rahmen: Du gehst hin, du arbeitest, du gehst heim.

3. Echte Kontakte. Der schwierigste Teil am Auswandern ist nicht die Steuererklärung — es ist das soziale Netz. Coworking Spaces sind einer der schnellsten Wege, um als Neuankömmling Menschen zu treffen, die ähnlich ticken. Nicht zufällige Barkontakte, sondern Leute, die auch remote arbeiten, Projekte starten und den gleichen Alltag navigieren wie du.

Realitätscheck: Coworking ersetzt nicht alles. Es ersetzt nicht dein Netzwerk aus der Heimat, nicht den Steuerberater und nicht den emotionalen Aufwand des Neuanfangs. Aber es gibt dir einen Ort, an dem du produktiv bist und nicht allein.


Coworking-Modelle erklärt: Was du wirklich buchst

Nicht jeder Coworking Space funktioniert gleich. Bevor du dich für ein Angebot entscheidest, solltest du die gängigen Modelle kennen — und wissen, welches zu deiner Situation passt.

Hot Desk (Flexibler Arbeitsplatz)

Du kommst rein, setzt dich an einen freien Platz und arbeitest. Kein fester Schreibtisch, keine Reservierung. Ideal, wenn du flexibel bleibst und nicht täglich im Space bist.

  • Typischer Preis: 70–200 EUR/Monat (je nach Stadt)
  • Tagespass: 10–30 EUR
  • Geeignet für: Nomaden, Teilzeit-Coworker, Einsteiger

Dedicated Desk (Fester Arbeitsplatz)

Du hast deinen eigenen Schreibtisch — mit deinem Monitor, deinen Kopfhörern, deinem Kram. Niemand räumt das weg, wenn du gehst.

  • Typischer Preis: 150–400 EUR/Monat
  • Geeignet für: Auswanderer mit festem Standort, die täglich arbeiten

Private Office (Büro)

Ein abgeschlossener Raum für dich (oder dein kleines Team). Eigene Tür, eigene Ruhe, eigener Schlüssel.

  • Typischer Preis: 300–800+ EUR/Monat
  • Geeignet für: Unternehmer mit vertraulichen Calls, Teams ab 2 Personen

Virtual Office (Geschäftsadresse)

Kein physischer Arbeitsplatz, sondern eine offizielle Adresse: für Impressum, Handelsregister, Postempfang. Du arbeitest woanders, aber deine Firma hat eine professionelle Anschrift.

  • Typischer Preis: 50–150 EUR/Monat
  • Geeignet für: Auswanderer, die eine Geschäftsadresse im Zielland brauchen

Überblick: Welches Modell passt zu dir?

Modell Preis/Monat Fester Platz Privatsphäre Geschäftsadresse
Hot Desk 70–200 EUR Nein Gering Nein
Dedicated Desk 150–400 EUR Ja Mittel Manchmal
Private Office 300–800+ EUR Ja Hoch Oft inklusive
Virtual Office 50–150 EUR Nein Ja

Die 10 besten Städte für Coworking weltweit — der ehrliche Vergleich

Nicht jede beliebte Auswanderer-Stadt hat auch gute Coworking-Infrastruktur. Hier sind zehn Städte, die beides liefern — geprüft nach Preis, Internet, Community und Relevanz für DACH-Auswanderer.

1. Lissabon, Portugal

Lissabon ist seit Jahren das inoffizielle Hauptquartier europäischer Remote Worker — und das hat Gründe. Die Stadt kombiniert stabiles Glasfaser-Internet, ein mildes Klima und eine Coworking-Dichte, die ihresgleichen sucht.

  • Top Spaces: Second Home (im Time Out Market, ab 250 EUR/Monat), Heden (Chiado, ab 250 EUR), Avila Spaces (ab 150 EUR Hot Desk), Outsite (ab 180 EUR)
  • Internet: 100–500 Mbps in den meisten Spaces
  • Tagespass: 15–30 EUR
  • Community: Sehr international, starke Tech- und Startup-Szene
  • Besonderheit: Forbes kürte Village Underground Lisboa zu einem der 4 disruptivsten Coworking Spaces weltweit — hier arbeitest du in umgebauten Schiffscontainern und Doppeldeckerbussen

2. Barcelona, Spanien

Günstiger als Lissabon bei der Coworking-Miete, teurer beim Rest. Barcelona punktet mit einem riesigen Angebot und einer der aktivsten Freelancer-Communities Europas.

  • Top Spaces: MOB (mehrere Standorte, ab 190 EUR/Monat), Aticco (ab 220 EUR), OneCoWork (ab 250 EUR)
  • Internet: 100+ Mbps Standard
  • Tagespass: 15–25 EUR
  • Community: Kreative, Designer, Tech-Freelancer — sehr lebendig
  • Besonderheit: Viele Spaces haben Dachterrassen mit Meerblick. Ablenkungsgefahr: hoch

3. Tiflis, Georgien

Georgien ist für Auswanderer aus dem DACH-Raum besonders interessant: Bürger aus über 90 Ländern können ein Jahr visumfrei bleiben, die Lebenshaltungskosten sind niedrig, und Tiflis hat eine überraschend gute Coworking-Szene.

  • Top Spaces: Impact Hub Tbilisi (im Fabrika-Komplex, Tagespass ca. 15 EUR), Terminal (über 9.000 m², ab ca. 60 EUR/Monat), D Block (im historischen Stamba-Gebäude), UG Startup Factory (ab ca. 40 USD/Monat)
  • Internet: 50–200 Mbps, zuverlässig
  • Tagespass: 12–18 EUR
  • Community: Wachsend, stark international, viele DACH-Auswanderer
  • Besonderheit: Die Preise sind mit Abstand die niedrigsten auf dieser Liste. Wer Geo-Arbitrage ernst nimmt, findet hier kaum Besseres

4. Bangkok, Thailand

Bangkok ist kein klassisches Auswanderer-Ziel im DACH-Sinn — aber für Remote Worker, die Asien als Basis wählen, ist die Stadt eine der zuverlässigsten Optionen. Über 150 professionelle Coworking Spaces, stabiles Glasfaser-Internet und eine Infrastruktur, die nichts zu wünschen übrig lässt.

  • Top Spaces: True Digital Park (Tech-Hub mit 400+ Plätzen, ab 100 USD/Monat), The Hive Thong Lo (Rooftop-Cafe, starke Events), Glowfish (Lifestyle-Coworking, Siam und Asoke), The Great Room (Gaysorn Tower, Premium)
  • Internet: 100–500 Mbps, Fiber mit Backup
  • Tagespass: 8–17 USD (300–600 THB)
  • Community: Große Startup- und Tech-Szene, viele Langzeit-Expats
  • Besonderheit: Das Destination Thailand Visa (DTV, 5 Jahre, 180-Tage-Aufenthalte) macht Bangkok auch langfristig planbar

5. Bali (Canggu/Ubud), Indonesien

Bali ist der Coworking-Hotspot Asiens schlechthin — mit der weltweit höchsten Dichte an Nomaden-Spaces. Die Auswahl reicht vom einfachen Cafe mit WLAN bis zum Luxus-Campus im Dschungel.

  • Top Spaces: Dojo Bali (ab 150 USD/Monat, starke Community), Outpost Canggu (ab 200 USD, Coworking + Coliving), Hubud Ubud (ab 150 USD, Yoga + Wellness), Tropical Nomad (ab 120 USD, Pool inklusive)
  • Internet: 50–150 Mbps, schwankt je nach Space
  • Tagespass: 10–20 USD
  • Community: Extrem aktiv, viele Events, internationaler Mix
  • Besonderheit: Hubud in Ubud war einer der ersten Coworking Spaces für Nomaden weltweit und hat die ganze Bewegung mitgeprägt

6. Mexiko-Stadt, Mexiko

Die größte Stadt Nordamerikas hat eine explodierende Coworking-Szene, besonders in den Vierteln Roma Norte und Condesa. Wer in amerikanischen Zeitzonen arbeitet, findet hier einen perfekten Standort.

  • Top Spaces: WeWork (mehrere Standorte, ab 145 USD/Monat), PUBLICO (ab 200 USD), diverse lokale Spaces in Roma Norte
  • Internet: 50–200 Mbps
  • Tagespass: 10–20 USD
  • Community: Kreative, Unternehmer, starke lateinamerikanische Szene
  • Besonderheit: Hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis bei gleichzeitig metropolitanem Angebot

7. Chiang Mai, Thailand

Chiang Mai ist der Budget-Champion unter den Coworking-Städten. Wer mit wenig Geld viel Produktivität will, ist hier richtig.

  • Top Spaces: Yellow Coworking (ab 80 USD/Monat), Punspace Nimman (ab 80 USD, mehrere Standorte), CAMP Coworking (ab 100 USD)
  • Internet: 50–150 Mbps
  • Tagespass: 5–10 USD
  • Community: Etablierte Nomaden-Community seit über 10 Jahren
  • Besonderheit: Eine der ältesten Nomaden-Szenen der Welt. Hier findest du Menschen, die seit Jahren remote arbeiten — nicht Influencer auf Durchreise

8. Buenos Aires, Argentinien

Durch den schwachen Peso ist Buenos Aires aktuell extrem günstig für Euro-Verdiener. Die Stadt hat Charakter, Kultur und eine Coworking-Szene, die ständig wächst.

  • Top Spaces: WeWork (4 Standorte, ab 159 USD/Monat), Manawa Coworking (ab 79 USD), diverse Spaces in Palermo und Recoleta
  • Internet: 50–100 Mbps
  • Tagespass: 8–15 USD
  • Community: Kreativ, kulturell, viele europäische Expats
  • Besonderheit: Das Preis-Leistungs-Verhältnis schwankt mit dem Wechselkurs — aktuell (2026) extrem vorteilhaft für Euro-Verdiener

9. Kapstadt, Südafrika

Kapstadt ist der unterschätzte Geheimtipp auf dieser Liste. Schnelles Internet, günstige Preise, ein starkes Startup-Ökosystem — und Tafelberg als Feierabend-Belohnung.

  • Top Spaces: Ideas Cartel (ab ca. 180 USD/Monat), Cape Town Office (ab ca. 135 USD), WeWork Cape Town, Workshop17
  • Internet: 100+ Mbps, Glasfaser weit verbreitet
  • Tagespass: 8–12 USD
  • Community: Tech-Startups, Impact-Unternehmer, kreative Szene
  • Besonderheit: Coworking-Preise ab umgerechnet 60 USD/Monat möglich — einer der günstigsten Märkte weltweit für die gebotene Qualität

10. Berlin, Deutschland

Ja, auch Berlin. Nicht jeder Auswanderer geht sofort ins Ausland — manche planen von Deutschland aus und brauchen vorher einen flexiblen Arbeitsplatz. Berlin hat die größte Coworking-Dichte Kontinentaleuropas mit über 200 Spaces.

  • Top Spaces: Betahaus (Kreuzberg, ab 200 EUR/Monat), Factory Berlin (Mitte, ab 250 EUR), St. Oberholz (ab 180 EUR)
  • Internet: 100–500 Mbps
  • Tagespass: 15–25 EUR
  • Community: International, Startup-geprägt, sehr professionell
  • Besonderheit: Ideal als Ausgangspunkt vor der Auswanderung — Netzwerk aufbauen, bevor du gehst

Preisvergleich: Was kostet Coworking im Ausland wirklich?

Preise variieren nicht nur zwischen Städten, sondern auch innerhalb einer Stadt enorm. Hier der Überblick, was du 2026 für einen Hot-Desk-Monatsplatz realistisch zahlst:

Preisvergleich nach Region (Hot Desk, monatlich)

Region / Stadt Günstig Mittelfeld Premium
Südostasien (Chiang Mai, Bali) 70–100 EUR 120–180 EUR 200–300 EUR
Kaukasus (Tiflis) 40–80 EUR 80–140 EUR 150–200 EUR
Lateinamerika (CDMX, Buenos Aires, Medellin) 70–130 EUR 140–220 EUR 250–400 EUR
Südafrika (Kapstadt) 55–100 EUR 120–180 EUR 200–280 EUR
Südeuropa (Lissabon, Barcelona) 150–200 EUR 220–320 EUR 350–500 EUR
Westeuropa (Berlin, Amsterdam) 180–250 EUR 260–400 EUR 450–700 EUR
Premium-Städte (London, Paris, Singapur) 300–500 EUR 500–800 EUR 900–1.700 EUR

Ab wann lohnt sich eine Monatsmitgliedschaft?

Die Faustregel: Sobald du mehr als 6–8 Tage pro Monat in einem Space arbeitest, ist ein Monatsvertrag günstiger als einzelne Tagespasse. Bei einem Tagespass von 20 EUR und einem Monatspass von 150 EUR liegt der Break-even bei 7,5 Tagen.

Tipp für Auswanderer mit festem Standort: Frag nach Quartals- oder Halbjahrespreisen. Viele lokale Spaces bieten 15–25 % Rabatt für längere Laufzeiten — das fragen die wenigsten Nomaden, weil sie nach 4 Wochen weiterziehen. Als Auswanderer mit festem Wohnsitz bist du der Traumkunde.


Globale Ketten vs. lokale Spaces: Vor- und Nachteile

Wenn du dich für einen Coworking Space entscheidest, stehst du früher oder später vor dieser Frage: Nehme ich einen internationalen Anbieter oder einen lokalen Space?

Globale Ketten

WeWork ist mit über 700 Standorten in 38 Ländern der Platzhirsch. Das All-Access-Abo (ca. 300–450 USD/Monat) gibt dir Zugang zu jedem WeWork weltweit. Impact Hub bietet über 100 Standorte in 60+ Ländern mit Fokus auf Social Entrepreneurship. Selina verbindet Hostel, Coworking und Events — eher Lifestyle als Büro. Regus/IWG ist der stille Riese: 3.000+ Standorte weltweit, eher klassisch, aber extrem zuverlässig.

Vorteil Nachteil
Gleicher Standard überall Oft teurer als lokale Alternativen
Ein Vertrag, viele Standorte Weniger lokales Flair
Professionelle Infrastruktur Community kann unpersönlich sein
Sofort buchbar, kein Papierkram Flexible Kündigungen nicht immer einfach
Geschäftsadresse oft möglich Aufpreis für Extras (Drucker, Meetingräume)

Lokale Spaces

Lokale Spaces sind oft günstiger, persönlicher und besser in die lokale Szene eingebunden. Du triffst dort nicht nur andere Nomaden, sondern auch lokale Gründer, Freelancer und Kreative — genau die Menschen, die dir beim Ankommen helfen.

Vorteil Nachteil
Günstigere Preise Qualität schwankt stark
Stärkere Community Buchung manchmal nur vor Ort
Lokale Vernetzung Website und Infos oft nur auf Landessprache
Flexiblere Konditionen Internet-Qualität nicht immer garantiert
Authentisches Erlebnis Kann plötzlich schließen

Empfehlung für Auswanderer: Starte mit einem Tagespass in 2–3 lokalen Spaces, bevor du dich bindest. Wenn du häufig reist oder zwischen Städten pendelst, kann ein WeWork All-Access oder Impact-Hub-Pass sinnvoll sein. Wenn du an einem Ort bleibst, ist der lokale Space fast immer die bessere Wahl.


Virtual Office und Geschäftsadresse: Firmensitz über den Coworking Space?

Viele Auswanderer stellen sich die Frage: Kann ich über einen Coworking Space eine offizielle Geschäftsadresse einrichten? Die kurze Antwort: Ja — aber mit Einschränkungen.

Was ein Virtual Office bietet

  • Ladungsfähige Geschäftsadresse für Impressum, Handelsregister und Gewerbe
  • Postempfang und -weiterleitung (physisch oder digital)
  • Telefonservice bei manchen Anbietern
  • Meetingräume auf Stundenbasis buchbar

Worauf du achten musst

Im Zielland: Die meisten Coworking-Anbieter bieten Virtual-Office-Pakete an, die vom lokalen Finanzamt als Firmensitz anerkannt werden. Prüfe aber immer, ob die Adresse als ladungsfähig gilt — das ist die Voraussetzung für Handelsregister und Impressum.

In Deutschland: Wenn du ausgewandert bist, aber in Deutschland noch eine GmbH oder UG führst, kannst du ein Virtual Office in Deutschland als Sitz nutzen. Das Finanzamt erkennt virtuelle Geschäftsadressen grundsätzlich an. Aber: Die Adresse allein reicht nicht als Argument, warum deine Firma in Deutschland steuerlich ansässig sein sollte, wenn du im Ausland lebst. Hier braucht es saubere Strukturen.

Achtung Briefkastenfirma-Vorwurf: Ein Virtual Office ist ausdrücklich keine Briefkastenfirma. Briefkastenfirmen dienen der Verschleierung — ein Virtual Office ist ein legitimer Service für flexible Arbeitsmodelle. Trotzdem solltest du eine tatsächliche geschäftliche Substanz am jeweiligen Ort nachweisen können.


Steuerlich: Betriebsausgabe, Betriebsstätte und die Fallen

Das Thema Steuern und Coworking ist für Auswanderer komplexer, als die meisten Blogs zugeben. Hier die drei wichtigsten Punkte:

1. Coworking als Betriebsausgabe

Ja, Coworking-Kosten sind grundsätzlich als Betriebsausgabe absetzbar — egal ob im Inland oder Ausland. Das gilt für:

  • Monatliche Mitgliedschaften
  • Tagespasse
  • Meetingraum-Buchungen
  • Virtual-Office-Gebühren

Voraussetzung: Die Kosten müssen betrieblich veranlasst sein und du musst Rechnungen vorweisen können. Die meisten professionellen Spaces stellen ordentliche Rechnungen aus — kleine Cafes mit Coworking-Bereich manchmal nicht.

2. Betriebsstätten-Risiko: Die unsichtbare Falle

Hier wird es heikel. Nach deutschem Steuerrecht (Paragraph 12 AO) und den OECD-Richtlinien kann ein Coworking Space unter bestimmten Umständen eine steuerliche Betriebsstätte begründen. Das bedeutet: Du könntest in dem Land, in dem der Space liegt, steuerpflichtig werden — auch wenn du das nicht beabsichtigt hast.

Wann wird ein Coworking Space zur Betriebsstätte?

  • Du nutzt einen festen, zugewiesenen Arbeitsplatz (Dedicated Desk oder Private Office)
  • Du arbeitest dort regelmäßig und über einen längeren Zeitraum (in der Regel ab 6 Monaten)
  • Der Platz steht dauerhaft zu deiner Verfügung (auch wenn du mal nicht da bist)

Wann entsteht in der Regel KEINE Betriebsstätte?

  • Du nutzt flexible Hot Desks ohne feste Zuweisung
  • Du wechselst regelmäßig zwischen verschiedenen Spaces
  • Du buchst nur Tagespasse oder kurze Monatsverträge
  • Du nutzt den Space weniger als 6 Monate am gleichen Ort

Inbound-Risiko: Du lebst im Ausland, hast aber noch eine deutsche Firma, die für dich einen Coworking Space in Deutschland anmietet? Das kann eine Betriebsstätte in Deutschland begründen und eine beschränkte Steuerpflicht auslösen.

Outbound-Risiko: Du hast eine deutsche Firma und mietest langfristig einen festen Schreibtisch im Ausland? Das kann eine Betriebsstätte im Ausland begründen — mit Gewerbesteuer-Zerlegung und lokaler Steuerpflicht.

3. Digitale Nomaden: Sonderfall wechselnde Standorte

Wenn du als Nomade an wechselnden Orten arbeitest und nirgends länger als ein paar Wochen bleibst, liegt in der Regel keine Betriebsstätte vor. Die Coworking-Kosten werden dann steuerlich wie Reisekosten behandelt — inklusive Fahrtkosten und Verpflegungspauschale.

Realitätscheck: Das Betriebsstätten-Thema ist kein Grund zur Panik — aber ein Grund, es ernst zu nehmen. Wenn du planst, länger als 6 Monate einen festen Schreibtisch in einem Land zu nutzen, besprich das mit einem Steuerberater, der internationale Konstellationen kennt. Ein Fehler hier kann teuer werden.


10 praktische Tipps: So findest du den richtigen Coworking Space

Du hast dich entschieden, einen Coworking Space zu nutzen. Hier ist, worauf du bei der Auswahl achten solltest — jenseits der hübschen Fotos auf der Website.

1. Mach immer einen Probe-Tag

Kein Coworking Space sieht im echten Leben aus wie auf Instagram. Buche einen Tagespass, bevor du einen Monatsvertrag unterschreibst. Achte auf: Lautstärke, Lichtverhältnisse, Sitzkomfort, Steckdosen-Verfügbarkeit.

2. Teste das Internet selbst

Bring dein Laptop mit und mach einen Speedtest — am besten während der Hauptarbeitszeit (10–14 Uhr). 50 Mbps sind das Minimum für zuverlässige Videocalls. Frag auch nach Backup-Leitungen: Was passiert, wenn die Hauptleitung ausfällt?

3. Prüfe die Community

Wer arbeitet hier? Sind es vor allem Nomaden auf Durchreise oder Leute, die länger bleiben? Gibt es Community-Events, Lunch-Treffen, Skill-Sharing? Die besten Spaces haben einen Community-Manager, der aktiv vernetzt.

4. Achte auf die Kündigungsfristen

Manche Spaces binden dich für 3 oder 6 Monate. Als Auswanderer in der Anfangsphase brauchst du Flexibilität. Ideal: Monatsweise kündbar oder sogar wöchentlich.

5. Frag nach Extras und versteckten Kosten

Drucker, Meetingräume, Schließfach, Kaffee — was ist inklusive, was kostet extra? Bei manchen Anbietern (besonders WeWork) kommen schnell 50–100 EUR an Zusatzkosten pro Monat dazu.

6. Standort und Erreichbarkeit checken

Ein Coworking Space am anderen Ende der Stadt, den du nur mit 40 Minuten Pendelfahrt erreichst, wirst du nach zwei Wochen nicht mehr nutzen. Wähle einen Space, der nah an deiner Wohnung oder gut an öffentliche Verkehrsmittel angebunden ist.

7. Zeitzonentauglichkeit prüfen

Wenn du mit Teams in anderen Zeitzonen arbeitest, brauchst du einen Space, der entweder 24/7 zugänglich ist oder zumindest frühe/späte Öffnungszeiten hat. Nicht jeder Space bietet das.

8. Rechnungsstellung klären

Für deine Steuererklärung brauchst du ordentliche Rechnungen mit Firmenname und ggf. Umsatzsteuer-Ausweis. Kläre das vor der Buchung, nicht hinterher.

9. Teste die Akustik

Offene Grossräume sehen cool aus, aber wenn du drei Stunden am Tag telefonierst, brauchst du Telefonzellen oder Ruheräume. Prüfe, ob es genügend davon gibt und ob sie nicht ständig besetzt sind.

10. Langfristig denken

Wenn du weißt, dass du mindestens 6 Monate an einem Ort bleibst, verhandle. Die meisten lokalen Spaces geben 15–25 % Rabatt auf Langzeitverträge. Frag auch nach einer kostenlosen Testphase — seriöse Anbieter bieten das regelmäßig an.


Coworking finden: Die besten Plattformen

Du weißt, was du willst — aber wo findest du den passenden Space? Diese Plattformen helfen bei der Suche:

  • Coworker.com — Größte Datenbank mit über 20.000 Spaces weltweit, Bewertungen und Preise
  • Nomad List — Städterankings nach Internet, Kosten, Community — inklusive Coworking-Filter
  • Google Maps — Klingt banal, funktioniert aber: „coworking space near me" zeigt lokale Optionen mit echten Bewertungen
  • Deskpass — Day-Pass-Plattform für spontanes Coworking in vielen Städten
  • Coworkbooking.com — Vergleichsportal mit Echtzeit-Preisen und Verfügbarkeit
  • Facebook-Gruppen — In fast jeder Nomaden-Stadt gibt es lokale Gruppen wie „Digital Nomads Lisbon" oder „Remote Workers Tbilisi" mit aktuellen Empfehlungen

FAQ: Die häufigsten Fragen zu Coworking Spaces im Ausland

Kann ich einen Coworking Space im Ausland steuerlich absetzen?

Ja. Coworking-Kosten sind grundsätzlich Betriebsausgaben, unabhängig davon, in welchem Land der Space liegt. Voraussetzung: betriebliche Veranlassung und eine ordnungsgemäße Rechnung. Bei Nomaden, die an wechselnden Orten arbeiten, können die Kosten alternativ als Reisekosten behandelt werden.

Begründet ein Coworking Space automatisch eine Betriebsstätte?

Nein. Ein Hot Desk oder kurzer Monatsvertrag begründet in der Regel keine Betriebsstätte. Kritisch wird es erst, wenn du einen festen, zugewiesenen Arbeitsplatz über mehr als 6 Monate dauerhaft nutzt. Bei internationalen Konstellationen immer mit einem Steuerberater klären.

Kann ich meinen Firmensitz in einen Coworking Space verlegen?

In vielen Ländern ja — über ein Virtual-Office-Paket. Die Adresse wird vom Finanzamt als ladungsfähige Geschäftsadresse anerkannt, wenn der Anbieter dies ausdrücklich zusichert. Kläre aber vorher die lokalen Anforderungen: In manchen Ländern braucht der Firmensitz eine reale Präsenz.

Was kostet ein Coworking Space im Ausland durchschnittlich?

Der globale Median liegt bei 180–225 USD/Monat für einen Hot Desk. In Südostasien und dem Kaukasus geht es ab ca. 50–80 EUR los, in Südeuropa ab 150 EUR und in Premium-Städten wie London oder Singapur ab 500 EUR aufwärts. Tagespasse kosten zwischen 8 und 30 EUR je nach Stadt.

Lohnt sich eine globale Coworking-Mitgliedschaft (z.B. WeWork All Access)?

Wenn du regelmäßig zwischen Städten wechselst und in jedem neuen Ort sofort arbeiten willst, kann WeWork All Access (ca. 300–450 USD/Monat) oder ein Impact-Hub-Passport sinnvoll sein. Wenn du länger an einem Ort bleibst, ist ein lokaler Space fast immer günstiger und bietet bessere Community.

Was ist der Unterschied zwischen Coworking und Coliving?

Coworking ist ein reiner Arbeitsplatz — du gehst hin, arbeitest und gehst heim. Coliving ist ein Wohn- und Arbeitskonzept, bei dem du in einer Gemeinschaft lebst und einen integrierten Coworking-Bereich nutzt. Coliving inkludiert Unterkunft, Coworking beschränkt sich auf den Schreibtisch. (Mehr dazu in unserem Coliving-Guide für Digitale Nomaden.)

Wie schnell muss das Internet in einem Coworking Space sein?

Minimum 25 Mbps Download für Videocalls, 50+ Mbps für mehrere parallele Calls oder große Datei-Uploads. Die meisten professionellen Spaces bieten 100+ Mbps. Teste den Speed immer selbst — die Angaben auf der Website sind oft Maximalwerte, nicht Alltag.


Fazit: Dein Arbeitsplatz ist dein Anker

Als Auswanderer hast du vieles gleichzeitig im Kopf: Steuern, Behörden, neues Land, neuer Alltag. Ein guter Coworking Space löst nicht alle Probleme — aber er gibt dir drei Dinge, die du in dieser Phase dringend brauchst: einen produktiven Arbeitsplatz, zuverlässige Infrastruktur und die Chance, Menschen zu treffen, die den gleichen Weg gehen.

Starte mit einem Tagespass, teste 2–3 Spaces und entscheide dann. Und denk daran: Der beste Coworking Space ist nicht der mit dem schönsten Instagram-Feed, sondern der, in dem du tatsächlich gute Arbeit machst.


Du planst deinen Umzug ins Ausland und willst wissen, wie du Arbeit, Steuern und Standort optimal aufstellst? Dann schau dir unseren Guide zu Remote Work und Steuern im Ausland an — oder lies, wie Geo-Arbitrage dein Einkommen im Ausland maximiert.

Nächster Schritt

Finde in wenigen Minuten deine Route.

Der Freiheits-Check zeigt dir, welcher Weg zu deiner Situation passt — und sagt dir auch, wenn keiner passt.